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Verein Lebensfreude im Pflegezentrum Seeblick, Stäfa (Erfahrungsbericht)

 

Mit der Absicht, Antonio Morano und Joy Winistörfer bei ihrer Arbeit zu begleiten, traf ich am 5. Juni Punkt 13.00 Uhr im Pflegezentrum Seeblick in Stäfa ein. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag. Frohen Mutes schritt ich durch die Eingangshalle direkt in den Wintergarten und von dort auf die Terrasse. Der freie Panoramablick über den Zürichsee war atemberaubend. Die Sonnenstrahlen geniessend, blieb ich vorerst draussen und betrachtete neugierig die Umgebung. Das Heim steht auf einer Anhöhe inmitten einer idyllischen grünen Landschaft und ist von einem traumhaften Garten umgeben. Noch schien die Welt in Ordnung zu sein. Ferienstimmung machte sich bei mir breit. Mit meiner Kamera hielt ich alles fest, und spielte unweigerlich mit den Gedanken, im Alter selbst einmal in solch einer schönen Anlage wohnen zu können.

Während ich die älteren Menschen, die alle in kleinen Gruppen an lauschigen Schattenplätzen sassen, betrachtete, näherte sich langsam eine gepflegte alte Dame mit Gehhilfe. Als sie neben mir Halt machte, lächelte ich und grüsste sie freundlich. In einer Sprache, die ich nicht kannte, fing sie an, auf mich einzureden. Leicht verunsichert, versuchte ich ihr zu erklären, dass ich sie nicht verstand. Doch das, was sie mir mit Eifer erzählte, schien sehr wichtig zu sein, also hörte ich zu. Es kam noch ein adretter, etwas jüngerer Mann zielstrebig in meine Richtung, und ich dachte, er käme, um sich um die Dame zu kümmern, aber er marschierte an uns vorbei, drehte auf dem Absatz und ging wieder zurück. Und das wiederholte er ein paarmal, bis ich schliesslich von Herrn Geri Meier, dem Heimleiter, begrüsst wurde. Von einer Minute auf die andere holte mich die Realität ein, und die fröhliche Stimmung löste sich in Luft auf. Im Pflegezentrum Seeblick leben nur Menschen mit Demenzerkrankung. Die Patienten, die meistens körperlicher Pflege bedürfen, werden mit einem nach neuesten Erkenntnissen erarbeiteten Konzept betreut.  Deshalb wird die Zusammenarbeit mit dem Verein Lebensfreude sehr geschätzt.

 

Geri Meier führte mich in sein Büro, wo sich Antonio und seine Kollegin Joy in der Zwischenzeit in Felix und Lila Lebensfreude verwandelt hatten. Nur noch die roten Pappnasen mussten fachmännisch angeklebt werden, um aus ihnen zwei Bilderbuch-Clowns zu machen. Sie selbst nennen sich Humorexperten. Die Stimmung war leicht angespannt, man diskutierte noch über das eine oder andere Detail, über die Vorgehensweise des bevorstehenden Nachmittags. Drei Stunden lang sollte das Programm dauern. Ich fragte mich, wie man Senioren so lange unterhalten konnte. Ich stellte mir vor, dass Felix und Lila so ein Art Show mit Musik und Zauberei vorbereitet hatten, um die Leute zum Lachen zu bringen. Doch es stellte sich bald heraus, dass ich keine Ahnung hatte, von dem was auf mich zukommen sollte, denn das, was Felix und Lila mit den teilweise geistig abwesenden, in sich gekehrten, traurigen oder abweisenden Menschen vollbrachten, grenzte in meinen Augen an ein Wunder.

Mit einem zuckersüssen Plüschtier und einer kleinen Gitarre näherten sich Felix und Lila vorsichtig und liebevoll jedem einzelnen Heimbewohner und widmeten ihnen eine Zeitlang die volle Aufmerksamkeit. Sie fingen in der Eingangshalle an und arbeiteten sich akribisch durch jeden einzelnen Wohnraum, alle Gartenbereiche bis hin zu jedem Zimmer im Trakt der Bettlägerigen. Einige Patienten schienen sich an den letzten Besuch der Humorexperten zu erinnern und freuten sich auf Anhieb. Andere versuchten mit Ausreden wie „Ich habe einen wichtigen Termin“ oder mit abweisenden Handbewegungen der Begegnung auszuweichen. Doch früher oder später zauberte Felix ihnen allen ein Lächeln ins Gesicht. Ob mit seinen romantischen italienischen Evergreens wie „Volare, ooohh!“ oder „Marina, Marina, Marina“ oder mit seinen entzückenden Zauberkünsten oder dem aufziehbaren Mäuschen durchbrach er alle Barrieren und Berührungsängste. Lila näherte sich den Menschen mit dem weissen Plüschhund, den die meisten streicheln und küssen wollten und verzückte alle mit ihren Seifenblasen und den unwiderstehlich süssen Ballontieren. Nachdem Felix einer Dame, die ihren eigenen Kuschelbär festhielt, ein Lied vorgesungen hatte, streichelte sie ihn übers Gesicht und meinte: „Sie sind aber ein hübscher junger Mann“ und schenkte ihm auch noch einen dicken Kuss. Ich war überwältigt. Die strahlenden Augen zu sehen, erfüllten mein Herz mit Freude. Diese von der Gesellschaft abgeschriebenen Menschen, haben Gefühle und Bedürfnisse wie wir. Solange sie fühlen, leben sie. Aber es kam mir plötzlich vor, als würden alle an diesem paradiesischen Ort nur noch auf die endgültige Befreiung warten.

Nach gut zwei Stunden war meine Stimmung am Boden. So viel Leid und Freude zusammen waren für mich kaum zu ertragen. Ich nahm ein bisschen Abstand und spazierte ein wenig im Garten, tätigte ein Telefonat und setzte mich dann erschöpft auf eine Bank. Ein paar Mal lief der adrette Mann von der Eingangshalle  im Stechschritt an mir vorbei. Er war noch so jung. Ich erfuhr später, dass er der jüngste im Heim war und mit 52 schon an seiner Störung erkrankte. Jetzt, mit knapp 60 Jahren, befand er sich bereits im finalen Stadium der Krankheit. Das finale Stadium, das hörte sich grausam an. Und es kann jeden von uns treffen.

Felix und Lila gesellten sich ein paar Minuten zu mir. Sie hatten begonnen, die Leute im Garten zu besuchen. Ich fragte sie, wie sie das alles verkraften konnten. Wie sie mit dieser Traurigkeit umgehen konnten. Und sie meinten, dass gerade dieses Glänzen in den Augen der Patienten, das kindliche Lachen und diese kurze Zeit der Freude, die sie ihnen schenken können, sie dazu antrieb, diese Tätigkeit auszuüben. Noch nie zuvor hatte mich jemand derart beeindruckt. Die hingebungsvolle Arbeit von “Felix und Lila” überstieg alle meine Erwartungen um ein Vielfaches, und sie verdienen meinen höchsten Respekt.

Gerade als wir weiter machen wollten, kam ein Mann mit seiner schwerkranken Frau im Rollstuhl zu uns. Er erzählte uns, dass er seit 50 Jahren mit ihr verheiratet sei und sie über 10 Jahre lang zu Hause betreut hatte. Das sei für ihn selbstverständlich gewesen. Er hätte es nicht übers Herz gebracht, ohne sie ein neues Leben anzufangen. Er hätte ihr bei der Hochzeit versprochen, in guten wie in schlechten Zeiten zu ihr zu halten. „Sie hätte das sicher auch für mich gemacht“, meinte er mit Tränen in den Augen. „Heute ist sie nicht mehr ansprechbar und zu 100 % rund um die Uhr auf Pflege angewiesen und deshalb lebt sie seit 6 Monaten im Pflegezentrum Seeblick.“ Der Mann fing an zu weinen, er hätte ein schlechtes Gewissen, meinte er. „Aber ich komme jede Woche zweimal von Zürich-Höngg hierher.“ Felix fing an, auf seiner Gitarre zu spielen. Die Frau im Rollstuhl, die mit geschlossenen Augen ihren Kopf seitlich hängen liess, öffnete augenblicklich die Augen. Ich kann nicht sagen, dass sie lächelte, aber etwas regte sich in ihrem Gesichtsausdruck. Unter grossem Kraftaufwand drehte sie ein wenig den Kopf, als wollte sie besser hören oder Felix anschauen können. Felix spielte eine Melodie nach der anderen, während der Mann uns erzählte, dass er jetzt, wo sie im Heim ist, wenigsten seinem liebsten Hobby, das Funken, nachgehen kann. Als der Mann sich verabschieden wollte, streckte seine Frau ihre zerbrechliche Hand hoch „Schauen Sie“, sagte er euphorisch, „Sie will ihnen danke sagen!“ Das war zweifelsohne der bewegendste Moment des Nachmittags. Verzweifelt kramte ich in meiner Handtasche, in der Hoffnung ein Tempo zu finden. Das war definitiv alles zu viel für mich. Den Rest des Nachmittags und des Abends verbrachte ich mit einem Klos im Hals.

 

Aber Felix und Lila liessen sich nicht aus der Ruhe bringen und setzten ihre Besuche fort. Den Menschen Glück und Freude zu schenken, das ist das erklärte Ziel von Antonio Morano, der übrigens seit 12 Jahren auch als Spitalclown (Theodora Stiftung) unterwegs ist. Im November 2011 gründete er zusammen mit Christine Lienhard und Susanne Fisch den Verein Lebensfreude,  mit dem Ziel, die Lebensfreude von dementen, kranken, behinderten oder betagten Menschen in sozialen Institutionen zu fördern. Besonders Humor, individuelle Zuwendung und Musik sollen durch Besuche von speziell geschulten Künstlern für leidende oder einsame Menschen zur Kraftquelle werden. Ganz nach dem Zitat von Richard David Precht: „Das Leben nicht nur mit Tagen füllen, sondern die Tage mit Leben“. Fachliche Unterstützung erhält die Arbeit des Vereins durch ein Team von professionellen Humor-Clowns mit langjähriger Berufserfahrung. Zurzeit sind 5 Herr und Frau Lebensfreude unterwegs. In der „Vorbereitung“ sind 4 weitere Künstler, welche ab Juli ebenfalls Humor in die Heime und Institutionen bringen. Die Zahl der Institutionen und Heime, in welchen der Verein- Lebensfreude Humor-Besuche schenken kann, wächst stetig. Bis in den Herbst sollten es zwischen 15 bis 20 verschiedene Betagtenzentren in der Schweiz sein. Das Ziel für 2013 sind 50 Humor-Besuche. 2014 haben sie sich das Ziel von 75 – 100 Humor-Besuchen gesteckt. Das sind für 2014 zwischen 3500 – 4000 humorvolle Begegnungen.

Finanziert wird der gemeinnützige und steuerbefreite Verein zurzeit aus den persönlichen Mitteln des Vorstandes und von Spenden.

 

Schenken Sie mit Ihrer Spende dementen und betagten Menschen ein Lachen. Der Verein Lebensfreude dankt von Herzen!

 

Verein Lebensfreude, Gärternstr. 18, 8400 Winterthur

Spendenkonto 60-792113-1

 

Ich bedanke mich bei Antonio und Joy dafür, dass ich sie einen Nachmittag lang begleiten durfte und Zeuge ihrer unermüdlichen und humorvollen Tätigkeit im Dienste der Menschheit sein durfte.

 

Text und Bilder : R. Zeller für Zeitspiegel.ch

 

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Roberta Zeller, Verein Lebensfreude (Antonio Morano)

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Roberta Zeller mit Clowns Antonio Morano und Joy Winistörfer

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Panoramasicht auf Zürichsee

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Wintergarten

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Papnasen

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Requisiten

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Antonio Morano

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Antonio Morano

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Antonio Morano

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Garten / Parkanlage

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Terrasse

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